Interview mit Charly

Charly (Lea Carlotta Laux) ist eine der erfolgreichsten Athletinnen des FC Lütjensee. Leider können wir sie nur selten bei uns beim Training sehen, da sie mittlerweile ihr Jura-Studium absolviert. Zum Glück gibt es befreundete Vereine, so dass sie nicht aufs Training verzichten muss. Spätestens beim Lütjenseer Säbelturnier ist sie aber wieder mit dabei!

Vielen Dank, dass Du beim Interview mitmachst. Aktuell habe ich Dich auf Platz 14 der deutschen Rangliste (2018/2019, Säbel Senior) gefunden. Das ist auch Deine Platzierung bei den Deutschen Meisterschaften am 16.3.2019 in Nürnberg gewesen. Warst Du zufrieden mit Deiner Leistung?

Selbstverständlich ist man nie zu 100% zufrieden mit seinen Ergebnissen; es geht schließlich immer besser. Aber dafür, dass ich momentan wenig Zeit für das Training finde und ich kurz vorher noch Klausurenphase hatte, war das Ergebnis besser als erwartet.

Was verbindet Dich (abgesehen von Deiner Mitgliedschaft) mit dem FC Lütjensee?

Ich bin in dem FC Lütjensee groß geworden. Er hat mich zum Fechten geführt und mich vor Allem auch dort gehalten. Ich liebe den Sport, aber gerade die anderen Mitglieder waren damals der Grund zum Training zu kommen und erst zu realisieren, wie toll Fechten ist.

Wie alt warst Du, als Du angefangen hast zu fechten?

Ich habe mit 9 Jahren angefangen zu fechten.

Ich glaube Du bist Linkshänderin. Hat man als Linkshänder Vorteile?

Ich kann schlecht beurteilen, ob ich wirkliche Vorteile erlange, weil ich Linkshänder bin – ich bin es ja nur so gewöhnt. Allerdings glaube ich, dass es im Säbel den geringsten Unterschied macht, mit welcher Hand man ficht. Lediglich die Mensur ist unterschiedlich und ich bin im Gegensatz zu den Rechtshändern daran gewöhnt.

Auf Deinem (nicht ganz aktuellen ;-)) Foto bei Ophardt hast Du ein Trikot an, dass nicht vom FCL ist. Hast Du damals auch andere Sportarten ausprobiert? Was hat Dich zum Säbelfechten gebracht?

Ich habe als Kind sehr viele unterschiedliche Sportarten ausprobiert. Grundsätzlich würde und wollte ich damals gerne möglichst viel machen. Mir ist aber früh bewusst geworden, dass wenn ich wirklich gut in einer Disziplin werden möchte, ich die anderen aufgeben muss und meine Zeit mehr darauf zu fokussieren. Gerade Fußball hat mir damals sehr Spaß gemacht, aber am Ende hab ich mich definitiv für die richtige Sportwahl entschieden.

Hast Du mal versucht, mit einer anderen Waffe zu fechten?

Häufig fängt man als Anfänger mit Florett an; so war das jedenfalls bei mir. Aber das ganze ging höchstens zwei Monate bis mir klar wurde, dass ich Säbelfechten um Einiges aufregender finde.

Gibt es einen Erfolg, der Dir besonders wichtig war oder besonders gut in Erinnerung geblieben ist?

So genau kann ich das gar nicht sagen, ich war auf vielen tollen Turnieren. Verständlicherweise sind gerade die internationalen Turniere spannend, da man so gegen die Creme de la creme weltweit fechten kann und sich nicht nur auf deutschem Niveau beweisen muss. Eines der schönsten Turniere war auf jeden Fall in London, da habe ich erst Einzel gefochten, was wirklich gut lief und am nächsten Tag noch mit der Mannschaft. Die Stimmung dort in der Halle werde ich nie vergessen; ich habe neben der Bahn fast mehr geschrien als auf der Bahn…
Aber prinzipiell ist jedes Turnier auf seine eigene Art und Weise besonders.

Wie gehst Du damit um, wenn Du einmal verlierst?

Früher bin ich mit Niederlagen auf jeden Fall schlechter umgegangen als heutzutage. Damals hab ich bestimmt erstmal mindestens eine Viertelstunde geweint nachdem ich rausgeflogen bin. Mittlerweile versuche ich das Ganze sachlicher anzugehen und mir zu überlegen woran es gelegen hat und was ich das nächste Mal ändern muss, damit mir nicht der gleiche Fehler erneut passiert – ob das klappt ist eine ganz andere Frage…

Welchen Anteil hat unsere Haupttrainerin Friederike Janshen an Deinem Erfolg?

Sie hat vermutlich den größten Anteil daran. Sie ist meine Trainerin seitdem ich fechte. Von ihr habe ich alles gelernt, was ich heute auf die Bahn bringe. Sie hat mich bei allem unterstützt, fechterisch gefordert und vor Allem hat sie immer an mich geglaubt. Friederike ist durch und durch Trainerin und das mit vollem Einsatz und ich danke ihr sehr, dass sie mich damals als Schülerin aufgenommen hat und engagiert mit mir gearbeitet hat!

Kannst Du Dir vorstellen, selber mal Trainerin zu sein?

Man soll ja niemals nie sagen, aber momentan sehe ich mich nicht unbedingt in einer wirklichen Trainerposition.

Friederike Janshen zum achten Mal Europameisterin!

Herzlichen Glückwunsch vom FC Lütjensee an unsere Haupttrainerin Friederike Janshen!

Bei den European Championships vom 29.5.2019 bis 1.6.2019 in Cognac trat Friederike gegen 32 Konkurentinnen im Säbel/Altersklasse V50 an und hat es zum achten Mal in Folge geschafft hat, Europameisterin zu werden! Sie siegte dabei so souverän, dass keine ihrer Gegnerinnen mehr als 7 Punkte in einem Gefecht holen konnte! Respekt!

Friederike Janshen (Zweite von Links)

Sechs Fragen an Jannik zur Deutschen Meisterschaft A-Jugend in Künzelsau 2019

Jannik

1) Warst Du aufgeregt vor der Fahrt oder entspannt ?

Ich war eigentlich nicht aufgeregt, habe mich aber sehr auf die DM gefreut. Ich hatte ja bereits zweimal an Deutschen Meisterschaften im Degen teilgenommen und wusste daher, was mich so erwartet. Außerdem bin ich mit keinerlei Erwartung was mein Ergebnis betrifft angereist, so dass ich mich diesbezüglich auch nicht unter Druck gesetzt habe.

2) Wie hast du dich vorbereitet ?

Da in meinem Verein gar kein Säbel gefochten wird und ich selbst auch erst an zwei Säbelturnieren teilgenommen hatte, war ich ein paar Mal in Lütjensee zum Training und habe an einem Lehrgang in Lübeck bei Friederike teilgenommen, damit ich noch ein bisschen Praxiserfahrung sammeln durfte. Das hat mir sehr geholfen.

3) Wie fandest du deine Gegner ?

Die Gegner waren schon sehr gut und man merkte, dass die meisten bereits langjährige Erfahrung hatten.

4) Gab es ein Gefecht, an das du dich besonders erinnerst ?

Klar 🙂 Mein letztes Vorrundengefecht habe ich mit 5:0 gewonnen. Das war ein tolles Gefühl.

5) Hat du etwas gelernt ?

Ja, viele Punkte habe ich „verloren“, da immer wieder mein „Degenfechten“ durchkam und ich hier lernen muss, dass noch besser trennen zu können. 

6) Warum würdest Du nochmal mitmachen / nicht mitmachen ?

Auf jeden Fall. Deutsche Meisterschaften haben schon eine ganz andere Atmosphäre als „normale“ Turniere. Ich kann jedem, der die Chance hat, an Deutschen Meisterschaften teilzunehmen, nur empfehlen teilzunehmen.

Siehe auch Deutsche Meiserschaften Säbel A-Jugend 2019 in Künzelsau

Deutsche Meisterschaften Säbel A-Jugend 2019 in Künzelsau

Am Wochenende (25.5.2019) fanden in Künzelsau / Baden-Württemberg die Deutschen Meisterschaften der A-Jugend (Jahrgänge 2002/2003/2004) im Säbel statt. Aus Schleswig-Holstein machten sich Amelie Skendzic und Tammo Matthies vom Fechtclub Lütjensee sowie Jannik Fürstenau vom EMTV Elmshorn auf den Weg nach Süddeutschland. Alle drei reisten ohne große Erwartungen an, sondern gingen mehr mit dem olympischen Gedanken „Dabeisein ist alles“ an den Start. Schließlich sind sowohl Amelie als auch Tammo noch gar nicht so lange dabei und Jannik war bisher fast nur als Degenfechter auf der Planche.  Allen war klar, dass die Konkurrenten bereits deutlich mehr Erfahrung haben werden.

Los ging es am späten Freitagmorgen mit dem Auto Richtung Künzelsau. Gegen 21.00 Uhr erreichten wir endlich unser Hotel und bezogen die Zimmer. Da alle hungrig von der Fahrt waren, suchten wir noch eine nahegelegene Pizzaria auf, um uns zu stärken. Am nächsten Morgen machten wir uns dann gegen 7.00 Uhr auf Richtung Sporthalle in Künzelsau. Materialkontrolle und Passabgabe klappte reibungslos und so konnten unsere Jungs sich aufs Aufwärmen und Warmfechten konzentrieren. Amelie konnte sich noch etwas ausruhen, da die Mädels erst eine Stunde später starteten.

Insgesamt gingen bei den Jungs 66 Säbelfechter aus ganz Deutschland an den Start, wobei natürlich viele Fechter aus den Fechthochburgen Dormagen, Solingen und Tauberbischofsheim vertreten waren. Sowohl Tammo als auch Jannik mussten in der Vorrunde erstmal deutliche Niederlagen einstecken, ließen sich davon aber nicht unterkriegen. Da nur die besten 60 Fechter eine Runde weiter kamen, war die Devise, möglichst viel für den Index zu tun und sich wenigstens „teuer zu verkaufen“. Bei Tammo reichte es leider nicht, um eine Runde weiter zu kommen. Jannik konnte sich während seiner Gefechte steigern und ihm gelangen einige schöne Treffer. Das letzte Gefecht gewann er dann souverän sogar mit 5:0. Damit hatte er sich für die Direktausscheidungen qualifiziert, womit er eigentlich aufgrund der fehlenden Fechterfahrung in dieser Waffenart gar nicht gerechnet hatte, und freute sich um so mehr.

Danach waren erstmal die Mädels dran. Da Tammo und Jannik jetzt Pause hatten, konnten sie sich voll darauf konzentrieren, Amelie anzufeuern und zu unterstützen. Amelie schlug sich wacker, musste sich aber der Geschwindigkeit und Erfahrung ihrer Gegnerinnen geschlagen geben. Auch für Amelie war leider daher nach der Vorrunde Schluss.

Weiter ging es jetzt mit den k.o.-Gefechten der Jungs. Im ersten k.O.-Gefecht traf Jannik auf den auf Platz 11 gesetzten Tristan Teichner / TV Ratingen. Hier konnte Jannik zwar gut mithalten, aber musste sich dann doch der mehrjährigen Säbelerfahrung seines Gegners beugen und verlor das Gefecht mit 7:15. Im sogenannten Hoffnungslauf traf er dann auf Paul Dinkel / FR Nürnberg. Hier konnte Jannik eine ganze Zeit gut mithalten und schöne Treffer setzen, beim Pausenstand von 9:11 war noch alles offen. Am Ende konnte Paul sich jedoch mit 15:10 durchsetzen.

Für alle drei Fechter/innen waren die Deutschen Meisterschaften trotzdem eine tolle Erfahrung und ein tolles gemeinsames Erlebnis. Besonders schön war auch anzusehen, wie die drei sich gegenseitig unterstützt haben und ihre gute Laune eigentlich zu keinem Zeitpunkt verloren haben. Am Abend wurde noch Schwäbisch Hall erkundet (man will ja schließlich nicht nur die Sporthallen sehen, wenn man schon so weit fährt ;-)) und am Sonntagmorgen traten wir nach einem ausgiebigen Frühstück dann die Heimreise an.

Jannik., Amelie, Tammo

Ergebnisse:

Amelie Skendzic Platz 63

Jannik Fürstenau Platz 56

Tammo Matthies Platz 66

Sechs Fragen an Jan zu der Deutschen Meisterschaft B-Jugend in Nürnberg 2019

beim Training

Warst du aufgeregt vor der Fahrt oder entspannt, bzw. ab wann warst du aufgeregt?
Am Tag vor dem Turnier war ich eigentlich nicht aufgeregt, sondern erst als ich an der Bahn stand.

Wie habt ihr Euch vorbereitet?
Mein spezieller Trainingsplan muss vorerst leider geheim bleiben. ; )

Wie fandest du deine Gegner?
Meine Gegner waren so ziemlich alle sehr gute Fechter, aber wie ich gemerkt habe, auch nur Menschen.

Gab es ein Gefecht, an das du dich besonders erinnerst?
Ja, mein erstes Gefecht im Hoffnungslauf, bei welchem die Mutter meines Gegners meinte, ich würde ja eh nicht treffen. Ich habe gewonnen.

Hast du etwas gelernt (wenn ja was)?
Wer nicht anfängt, kann auch nicht weitermachen.

Warum würdest du nochmal mitmachen/nicht mitmachen?
Ich würde definitiv nochmal mitfahren, da die ganze Stimmung einfach Klasse war.

Siehe auch Bericht von den Deutschen Meisterschaften

Sechs Fragen an Nils zu der Deutschen Meisterschaft B-Jugend in Nürnberg 2019

Warst du aufgeregt vor der Fahrt oder entspannt, bzw. ab wann warst du aufgeregt?
Die Fahrt war eigentlich ganz entspannt. Aufgeregt war ich ab dem Morgen der Meisterschaft.

Wie habt ihr Euch vorbereitet?
Ich habe mich bei der Beinarbeit im Training noch mehr angestrengt und habe im Training mehr aufgepasst.

Wie fandest du deine Gegner?
Sie waren, wie ich finde, für eine Deutsche Meisterschaft angemessen.

Gab es ein Gefecht, an das du dich besonders erinnerst?
Ich erinnere mich besonders an das Gefecht, wo ich aus einem 3:0 Rückstand einen 3:5 Sieg gemacht habe.

Hast du etwas gelernt (wenn ja was)?
Ja, ich habe etwas gelernt. Zum Beispiel mehr Varianten zu fechten und mich besser auf Obleute einzustellen.

Warum würdest du nochmal mitmachen/nicht mitmachen?
Ich würde gerne nochmal mitmachen da es mich sehr vieles gelehrt hat. Vor allem da hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich habe auch Fechter von früheren Turnieren wieder getroffen.

Siehe auch Bericht von den Deutschen Meisterschaften

Deutsche Meisterschaften Säbel B-Jugend 2019 (18.5.2019)

Finja Stormanns, Neele Sophia Romann, Nils Roos und Jan Felix Olbrich sind die Athleten, die gemeinsam zu den Deutschen Meisterschaften im Säbelfechten der B-Jugend in Nürnberg angereist sind. Die Einschätzungen im Vorweg waren gemischt, trifft man doch auf den Deutschen Meisterschaften auf Fechter aus Leistungszentren, Vereinen mit zahlungskräftigem Sponsor und auf Kinder (manchmal zu) ehrgeiziger Eltern. Aber wer nicht wagt, gewinnt auch nicht und die Chance zur Teilnahme an einem solchen Wettbewerb gibt es schließlich nicht alle Tage. Zur Sicherheit wurden die jungen Fechter von ihren Vätern begleitet, so dass für emotionale Stabilität gesorgt war: Aufmunternde Worte wie „Nach dem Treffer ist vor dem Treffer“ sind für manchen eine gute Hilfe.

Nachdem alle in Nürnberg eingetroffen waren, ging die Fahrt im Großraumtaxi als erstes zur Uhlandhalle, wo bereits am Vorabend die Materialkontrolle erledigt werden konnte. Später wurde das Team in den Nürnberger Trödelstuben in rustikalem Ambiente mit fränkischer Küche gestärkt. Die Stimmung? Ausgezeichnet! Insbesondere, nachdem den Kindern als Überraschung die eigens gedruckten T-Shirts überreicht wurden.

Am Samstagmorgen waren die Frühaufsteher des FC Lütjensee die Ersten in der Halle. Das Aufwärmen und das Warmfechten konnten so in aller Ruhe durchgeführt werden.

Während die Halle sich füllte, wurden noch schnell bekannte Gesichter aus Rostock begrüßt, dann gingen auch schon die Gefechte los.

Die gute Vorbereitung mit Trainerin Friederike Janshen hat sich ausgezahlt. Mit den Ergebnissen können alle zufrieden sein:

Finja
Stormanns
Neele Sophia
Romann
Nils
Roos
Jan Felix
Olbrich
Damensäbel
U13
Damensäbel
U13
Herrensäbel
U13
Herrensäbel
U14
Platz 19
(von24)
Platz 23
(von24)
Platz 14
(von26)
Platz 12
(von20)

Der NDR bei uns zu Besuch

Die „alten Herren“ vom FC Lütjensee haben Besuch bekommen vom NDR. Reporterin Hannah Böhme hat den FC Lütjensee besucht, beobachtet, zugehört und Fotos gemacht. Im Mittelpunkt des Interesses standen diesmal die „Nachwuchsfechter zwischen 40 und 55“ am Florett: Lars-Peter, Daniel, Daniel und Thomas, von denen vor eineinhalb Jahren noch keiner Fechten konnte.

Aus 2 Stunden Besuch wurden 2 Minuten Bericht herausgearbeitet. Zu Hören waren es am Samstag um 15:45Uhr auf NDR Welle Nord.

zum Nachlesen und Nachhören:
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Wenn-die-Vaeter-nochmal-Fechten-lernen-,altherrenfechten100.html

Hej Roskilde, vi kommer!

Vom 11. bis 12. Mai finden die viking open in Roskilde, Dänemark statt. Der FC Lütjensee wird dabei sein! Wir freuen uns auf einen spannenden Besuch und gute Gefechte!

Fechten mit Säbel oder Florett

Technik & Herzblut,
Adrenalin & Beherrschung,
Jung & Nichtmehrsojung

Zugegeben, Fechten ist nicht gerade der Massensport, der Stadien füllt und Fanclubs laute Gesänge anstimmen lässt. Nein, Fechten ist eine andere Welt: Es ist Zweikampf, wahnsinnig schnell, aber auch sehr elegant. Als Zuschauer muss man schon genau hingucken, um es zu verstehen.

Es gibt klare Regeln, die die Kinder schnell lernen (die Erwachsenen natürlich auch). Es ist unheimlich aufregend, in einem Gefecht zu stehen, vor allem das erste wird man nicht vergessen. Man braucht den Körper und den Kopf, den Willen zu lernen und sich anzustrengen. Man kann es nicht ganz alleine trainieren, der Gegner im Kampf ist Partner beim Üben.

Es schult Kinder und Erwachsene in Sachen Höflichkeit, Selbstbewusstsein und Verantwortung wie kaum einen andere Disziplin

Und ganz wichtig: Man kann es in jedem Alter lernen.

Fechten kurz erklärt

Kleine Waffenkunde

Ein Säbel ist eine Hieb-und Stichwaffe, es reicht die Berührung des Gegners.

Florett und Degen sind Stichwaffen. Beim Florett muss eine Kraft entsprechend 500g, beim Degen 750g aufgebracht werden, damit der Treffer zählt bzw. der Kontakt in der Spitze auslöst..

Beim Degen ist die Glocke größer als bei Florett und Säbel, um die Hand zu schützen, die beim Degen zur Trefferfläche zählt..

Florett und Degen haben in der Regel einen ergonomischen Pistolengriff (es gibt auch den französischen, geraden Griff).

Pistolengriff

Das Angriffsrecht

Treffen beide Fechter zeitgleich, kommt es beim Säbel und Florett auf das Angriffsrecht an: Wer zuerst angreift hat es. Wer angegriffen wird, muss parieren, um sich das Angriffsrecht zu holen. Beim Degen können beide Fechter punkten, ein Angriffsrecht gibt es nicht.

Trefferfläche

Beim Degen gilt der ganze Körper einschließlich der Maske als Trefferfläche. Eine Elektroweste ist daher nicht erforderlich.

Beim Florett gilt der Oberkörper einschließlich Schritt, aber ohne Arme und Maske als Trefferfläche. Die Maske ist Schwarz.

Beim Säbel gilt der Oberkörper ab Gürtellinie aufwärts als Trefferfläche. Auch Maske, Arme und Handschuhe gehören dazu. Die Maske ist daher silberfarben.

Also ganz einfach zu unterscheiden:
Degenfechter sind ganz in weiß
Säbelfechter erkennt man an den silbernen Masken und Elektrowesten mit Ärmeln
Florettfechter haben schwarze Masken und eine graue Elektroweste

Leos Bericht: Deutsche Meisterschaften Säbel (Aktive) 2019 und EFC U23 Circuit (16.3./17.3.2019)

Das DM/Strasbourg Wochenende (16.3./17.3.2019) ist natürlich nun schon etwas her aber ich versuche trotzdem mal, meine Eindrücke im Nachhinein zu Papier zu bringen:

Leo

Ich bin schon am Vorabend der Deutschen Meisterschaften mit dem Zug in Nürnberg angereist. Als ich danach zur Waffenkontrolle in die Uhlandhalle gehe, bin ich erstmal komplett überwältigt von der Art, in der die Halle hergerichtet worden ist. Eine Finalbahn auf Podesten, Werbebanner und Kameras für Videobeweise an jeder Piste, Waffenkontrolle durch DFB Offizielle – In dem Moment realisiere ich erst richtig, dass ich hier nicht auf irgendeinem 0815 Turnier bin. Nervös bin ich aber tatsächlich nicht, nicht einmal am nächsten Morgen, an dem man normalerweise das größte Lampenfieber erwarten würde. Das kommt erst in dem Moment, als ich in der Halle aus dem Zuschauerraum in den als „Nur für Fechter“ gekennzeichneten Bereich gehe und realisiere: Verdammt… Ich bin tatsächlich nicht nur zum Zuschauen hier. 

In der Halle erkenne ich zwar das eine oder andere Gesicht von bisherigen Turnieren wieder, wirklich gut kenne ich aber niemanden und komme mir etwas allein vor unter der größtenteils mit Haus und Hof angereisten Konkurrenz. Entsprechend nervös gehe ich dann auch in die Vorrundengefechte und verliere prompt die ersten drei Sang und Klanglos, bis ich mich wieder fangen und wenigstens so fechten kann, wie ich es mir vorgenommen hatte. Generell finde ich es -zumindest auf meinem Niveau- auf Turnieren wichtig, sich für die eigene Fechtleistung Ziele zu setzen und nicht allzu sehr auf das Ergebnis oder die Platzierung zu achten. Man hat so größere Erfolgserlebnisse und kann sich stetig verbessern; die Platzierungen kommen irgendwann von allein. Mit recht niedriger Platzierung gehe ich dann ins 64er Tableau und habe eigentlich keine großen Hoffnungen. Mit tatkräftiger Unterstützung meines bis dahin angereisten Teams schaffe ich zur Pause dennoch ein 8:7 und gehe, obwohl ich in der zweiten Hälfte dann verliere, mit gutem Gefühl als 45ter von 51 Angereisten aus der Halle.

Leo auf dem Weg zum Training

Normalerweise wäre damit mein Wochenende vorbei – weil ich aber eine Schraube locker habe und Nägel mit Köpfen machen will, springe ich direkt in den nächsten TGV nach Strasbourg, um auch noch beim EFC U23 Circuit dabei zu sein.

Schon bei der Waffenkontrolle am Vorabend fallen mir bei einigen Teilnehmern auf World Cups gekaufte Anhänger und Patches auf. Obwohl diese Turnierserie im Leistungsniveau unter den FIE World Cups liegt, befindet man sich hier dennoch definitiv im Leistungssport – etwas, dass man deutlich an der Atmosphäre merkt. Gab es bei den Deutschen Meisterschaften noch freundschaftliches Gerede zwischen Teams und Sportlern untereinander, ist die Atmosphäre hier geladener; die meisten sind nicht hier um Spaß zu haben, sondern um zu gewinnen.

Gerade diese Atmosphäre ist es aber, die ich an diesen Turnieren so mag. Man ertappt sich dabei, wie sich die Versiertheit der erfahrenen Fechter und das Adrenalin in der Halle auf einen selbst überträgt. Man kommt sich selbst um einiges professioneller vor, als man sich normalerweise träumen würde.

Die Vorrunde verläuft dann deutlich besser, als noch bei meiner ersten Erfahrung mit der EFC in Wien. Dank der jetzt-ist-eh-alles-egal Einstellung, die mein erschöpftes und zerbeultes selbst an diesem Morgen in der Dusche angenommen hat, bin ich nicht einmal mehr nervös und kann die Gefechte auf einem Niveau durchziehen, das ich mir in Anbetracht meiner Situation gar nicht mehr zugetraut hätte.

Prompt stehe ich in der Direktausscheidung einem jungen Italiener gegenüber. Das folgende Gefecht verläuft kurz und schmerzlos: 15:1 gegen mich. Wie sich später herausstellt, bin ich gerade gegen den Ersten der Europäischen Rangliste angetreten, eine durchaus interessante Erfahrung. Ich nutze die verbleibende Zeit in der Halle, um den besseren Fechtern zu- und mir einige Dinge abzugucken und trete schließlich als 51ter von 52 die Heimreise an.